Regionales aus Frankfurt (Oder): Lokale, Veranstaltungen, Szene, Tratsch, Gerüchte und vieles mehr

Forsthaus Siehdichum

 
Forsthaus Siehdichum
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Adresse

Siehdichum 1

15890 Siehdichum OT Schernsdorf

Telefon

033655 210

Öffnungszeiten

Montag

ab 11³° Uhr

Dienstag

ab 11³° Uhr

Mittwoch

ab 11³° Uhr

Donnerstag

ab 11³° Uhr

Freitag

ab 11³° Uhr

Samstag

ab 11³° Uhr

Sonntag

ab 11³° Uhr

Rauchen

Nichtraucherlokal

Beschreibung

Wunderschön als Ausflugsgaststätte. Im Winterhalbjahr nur am Wochenende ab 11.30 Uhr geöffnet oder nach telefonischer Absprache.

Standort

Weitere Bilder
Der Topfgucker

Küchenstreik und Tradition
Was essen wir an Weihnachten? Wollen wir nicht mal essen gehen? Immer dieser Aufwand!
Wer kennt diese Fragen nicht aus seinem eigenen familiären Erleben. Jedes Jahr und immer wieder. Die Kinder wollen es »wie immer« zu Weihnachten, aber die Eltern würden auch gern mal das Kochen lassen und lieber kochen lassen. Wie man diese vorsätzliche Arbeitsverweigerung in die Tat umsetzt?
Wir schaffen Abhilfe, auch jedes Jahr und immer wieder aber es ist nie das Gleiche. Also steigen wir ins Auto und los geht`s vor die Tore der Städte, in die Natur-Idylle, die Appetit auf lukullisches Vergnügen vermuten lässt und die Hektik vergessen macht.
Denn Essen an sich ist ja keine Kunst aber unsere Bedürfnisse nach einer Lokalität mit einem guten Service und einer guten Küche, mit Atmosphäre zu finden ist nicht leicht.
Und das Ganze sollte ja auch zu einem Familien-Event werden und das lässt sich mit dem Ziel eines Ausflugslokals am besten gestalten .

Der Hammer
Wir fahren über Müllrose zum Kupferhammer. »Ich weiß nur es muss hier links rum gehen, ich bin früher mit meinen Eltern immer hierher gefahren«. Bernhard unser »Lokal«redakteur erinnert sich an der Kreuzung in Merzdorf.
Und tatsächlich wir stehen kurz danach vor dem »Kupferhammer«. Ein echter Hammer, der geschlossen hat, obwohl auf der Internetseites der Gaststätte steht: Täglich von 11-20.00 Uhr geöffnet! Ist vielleicht besser so denke ich, denn das ganze Anwesen macht auf mich den Eindruck als ob in den letzten 40 Jahren, seit dem Bernhard mit seinen Eltern hier war, keiner mehr etwas getan hat. Ob ich in dieser Ruine etwas mit Appetit essen würde?
Also weiter auf der Suche nach einem Weihnachtsausflugtipp: »Forsthaus Siehdichum«.
Schon an der Hauptstraße der Hinweis: Im Winter Fr, Sa, und So. ab 11.00 Uhr geöffnet.
Also los entlang der tadellosen Asphaltstraße bis vor die Tür des Hotels und Restaurants.

Siehdichum: Goldbarren im Teekessel
Man könnte meinen der Name »Siehdichum«, entstand in den 80`er Jahren, noch zu DDR-Zeiten. Stasi Oberstleutnant Günter Wurm hatte hier 80 Kilogramm Gold, rund um seine in der Nähe liegende Jagdhütte vergraben, Millionen von unterschlagenen DDR- Mark waren hier versteckt. »Siehdichum« war in Goldgräberstimmung. In alten Teekesseln waren die Goldbarren bei Günther Wurms Jagdhütte vergraben, mehrere Kilo gleich hinter seinem Trockenklosett.
»Als Mehrzweckobjekt »Siehdichum« geistert die idyllische Forsthaus-Immobilie durch die MfS-Akten.
Der überdurchschnittliche Luxus hatte Stasi-Chef Mielke im Sommer 1980 misstrauisch gemacht. Eine Revision zeigte, dass Wurm die feine Herberge für 800.000 Mark hatte sanieren lassen, aber Belege konnte er dafür keine vorweisen. Das war wenige Tage, bevor Wurm von seinem General maßgenommen wurde. Deshalb entzog man ihm auch die Verfügungsgewalt über seinen größten »Schwarzbau«, der mit Möbeln aus dem Westen eingerichtet war, und wo der Schnaps und die Zigaretten aus dem Westen nie ausgingen. Hier stiegen Minister ab und Geschäftsfreunde, die Wurm zur Jagd mitbrachte, aber hier machten auch einfache MfS-Mitarbeiter Urlaub«.
Der Charme des luxuriösen Stasi-Interieurs ist unbestritten, zumal ja alles aus dem Westen kam. Natürlich soll nun alles neu eingerichtet werden. Aber ob das eine gute Idee ist? Bei so viel spekulativer Action wäre es direkt schade um das geschichtsträchtige Mobiliar.
Wo kann man denn noch sehen wie ein Stasi-Luxus-Objekt original ausgesehen hat? Hier ist alles noch so wie es die Genossen einst genossen. Man muss dagewesen sein, ein original erhaltenes Stasi-Gästehaus zu besichtigen und zu benutzen(!)

Wild aus unseren Wäldern und Fisch aus unserem See.
Die nette Yvonne bringt uns die Karten: Übersichtlich, frische Produkte: Fisch aus unserem See und Wild aus unseren Wäldern erklärt sie mir auf meine Frage nach der Herkunft der Produkte. Also bestellen wir wild drauf los: Kürbiscremesuppe, Hirschkeule mit Rotkohl und Klößen und mein Tischgast Bernhard bestellt sich den Wildgulasch mit Waldpilzen. Dazu wählen wir, in Ermangelung eines kräftigen spanischen Riojas, einen französischen Cabernet-Sauvignon.
Küchenchef im »Siehdichum« ist Andreas Vogel und er hat mit seinem Team eine schöne Karte als Programm für die Gäste.
Zarte Entenbrust mit gebuttertem Rosenkohl (15,00 €) oder knusprige Gänsekeule mit deftigem Grünkohl und Klößen (14,60 €), stehen u.a. auf der Agenda von Köchin Gundula Schulz für die Weihnachtszeit.
Sie bereitet unsere Speisen gekonnt und sorgfältig in der blitzsauberen Küche zu.
»Ich war vorher auf Gut Klostermühle, in Alt Madlitz als Köchin«, erzählt sie. Hier, in ihrem neuen Team, im Forsthaus, gefalle es ihr jedoch viel besser. Es wird absolut auf Qualität geachtet. Dafür sorgen auch die Inhaber Andrea und Frank Maßmann.
Yvonne serviert unser Essen. Kürbissuppenrezepte gibt es wie Kürbisarten, jede Menge.
Die im Forsthaus servierte Kürbissuppe fand ich sehr gut. Und die Hirschkeule, von welcher meine 3 schönen Scheiben Fleisch stammen, gehörte einem jungen Hirsch. Ein schöner Wildbraten. Zart gegart und wunderbar gewürzt, mit einer Soße wie man sich eine Wildsoße vorstellt. Die Klöße waren zwar nicht handgemacht, aber dennoch fand ich sie ganz gut. Etwas weniger Salatbeilage und mehr Preiselbeergelee hätte mir zwar besser gefallen, aber ich aß alles mit einem guten Appetit und kam voll auf meine Kosten.
Bernhards Wildgulasch mit Waldpilzen schmeckte toll. Gulasch - Skeptikern kann ich sagen: Die Qualität stimmt. Delikat gewürzt, schöne Fleisch- und Waldpilzstücke überraschen auf dem Teller.

Fazit

Keine Angebote im Sinne der Nouvelle Cuisine, vielmehr eine Essklasse ambitionierter, bürgerlicher Küche.
Appetitmachend und schmackhaft durch solides Küchen-Handwerk umgesetzt. Schneller und freundlicher Service und das Preis - Leitungsver-hältnis stimmt. Interessantes Stasi-Vergangenheits-Szenario mit spektakulärem Stasi-Mafiosi lässt einen Ausflug zum Essen zu einem Event werden.
Tipp: Werden Sie »Informant«! Erst die ganze Siehdichum – Stasi - Story unter
www.moak.de/forum/board_entry.php?id=875 lesen und dann hinfahren, ins Forsthaus und alles unter einem anderen Aspekt sehen und genießen als der unwissende Esser

Michael Dittrich (Dezember 2011)